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Feldstudien
 

Feldstudie - Jonzac (Charente-Maritime), Frankreich

Ausgrabungsstätte

 

Jonzac AusgrabungIm Sommer 2004 begann das MPI in Zusammenarbeit mit dem Institut de préhistoire et de géologie du Quaternaire (IPGQ) von der Universität Bordeuaux I die Ausgrabungen an der mittel- und frühjungpaläolithischen Fundstelle Jonzac (Charente-Maritime) in Frankreich.

 

Ausgrabung JonzacJonzac (auch bekannt als Chez Pinaud) ist heute eine Freilandfundstelle und liegt an einem niedrigen Kalksteinabhang im Flusstal der Seugne. Die Funstelle wurde erstmals in den 1990er Jahren von einem Geologen entdeckt, der Knochen und Steinwerkzeuge in einem Bereich der Fundstelle fand, der durch die Anlage einer Straße für einen Steinbruch angeschnitten wurden war. An den offen liegenden Abschnitten führte Jean Airvaux nach den ersten Funden Ausgrabungen unter der Schirmherrschaft des Service de l'archéologie de Poitou-Charente durch. Während mehrerer Grabungskampagnen untersuchte Airvaux die bereits offenliegenden Schichten und stellte die Tiefe der archäologischen Sequenz und den außergewöhnlichen Reichtum der fundführenden Schichten fest.

 

Asugrabung 2006 Die Ergebnisse der von Airvaux durchgeführten Ausgrabungen wurden 2004 veröffentlicht und belegen eine Abfolge, die mit einem reichen Quina-Moustérien beginnt. Diese Periode wird mit einer von Rentieren dominierten Fauna in Verbindung gebracht. Die fundtragenden Schichten umfassen eine über einen Meter dicke Schicht mit viel Fauna, gefolgt von mehreren Lagen mit abwechselnd sterilen und grundführenden, archäologischen Horizonten. Was dann folgt ist komplizierter: In einem Teil der Fundstelle folgt auf eine Levallois-Industrie mit gezähnten Artefakten ein Moustérien mit Acheul-Tradition mit etlichen Faustkeilen. In einem anderen Teil der Fundstelle stellte Airvaux eine Châtelperronien-Industrie fest. Die gesamte Sequenz wird abgeschlossen durch eine Schicht mit wenigen verstreuten Funden die den Aurignacien zuzurechnen sind.

 

stone tool fWerkzeug au SteinWegen dieser Fundfolge und in Anbetracht der Wichtigkeit, die Verhältnisse zwischen den späten Moustérienindustrien, den Châtelperronien und dem Aurignacien zu klären und schließlich auch in Anbetracht der Bedeutung dieses Zeitraumes für den Übergang vom Neandertaler zum anatomisch modernen Menschen in Europa, haben die MPI- und IPGQ-Teams beschlossen, die Arbeit an dieser Fundstelle fortzusetzen. Die Ziele dieser Arbeit lauten wie folgt:

  • Die Erstellung eines verbesserten geologischen Kontextes der Industrien. Insbesondere ein besseres Verständnis der Entstehung der Fundstelle anhand von geologischen, faunischen und lithischen Daten
  • Umfangreiches Datierungsprogramm. Airvaux versuchte vergeblich, die Schichten zu datieren. Das MPI/IPGQ-Team wird AMS-, TL-, ESR- und OSL-Datierungsmethoden zur zeitlichen Einordnung der Sequenz anwenden.
  • Das Sammeln neuer Daten zu den Steinartefaktindustrien. Besonders über das Châtelperronien ist momentan in Bezug auf die Fundstelle noch wenig bekannt. Die neuen Ausgrabungen werden versuchen, die Natur dieser und anderer Industrien von Jonzac zu ergründen.
  • Die Erfassung weiterer Daten aus den Quina-Moustérien-Schichten. Das Quina-Moustérien ist ein bislang noch relativ schlecht erforschtes Phänomen. In Jonzac ist es mit einer reichen und gut erhaltenen Fauna verknüpft und wir hoffen, Neues über diese besondere Neandertaler-Anpassung sagen zu können.

 

Im Sommer 2007 hat das MPI/IPGQ-Team die vierjährige Ausgrabung abgeschlossen, welche die Klärung der oben genannten Fragen zum Ziel hatte. Im Augenblick arbeiten wir an der Analyse des ausgegrabenen Materials und bereiten Veröffentlichungen vor. Im Jahr 2008 werden wir lediglich die Funde analysieren und benötigen daher keine Ausgräber. Falls Sie interessiert sind, an Ausgrabungen teilzunehmen, ziehen Sie bitte unsere anderen Grabungskampagnen in Willendorf und Abri Peyrony

Ausgrabungsstätte

 

 

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