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Forschungsschwerpunkte
 

Forschungsschwerpunkt - Faunaanalyse

Faunaanalyse

zooarchaeological pic 01Das Ziel unserer zooarchäologischen Forschung ist die Rekonstruktion der Ökologie spätpleistozäner Hominine. Dazu analysieren wir die Variationsmuster, die sich in tierischen Fundkonzentrationen zeigen. Momentan konzentriert sich unsere Forschung auf zwei genau festgelegte geographische Gebiete und Urpopulationen. In jedem dieser Gebiete untersuchen wir paläolithische Existenzerhaltungsstrategien, Strukturen der Landschaftsnutzung, Bevölkerungsdichte, Paläoumwelt und Taphonomie. Dabei sind wir besonders daran interessiert, die Veränderungen zu verstehen, die während des Übergangs vom Mittel- zum Jungpaläolithikum in der homininen Existenzerhaltungsdynamik stattfanden.

 

1) Das Moustérien und das sehr frühe Paläolithikum in Frankreich.

Zusammen mit Forschern der Université  Bourdeaux 1 forschen wir an den faunischen Überresten von der Fundstelle bei Jonzac (Charente-Maritime), die ausgesprochen reich an tierischen Fossilien ist, besonders von großen Bovidae, Pferden und Rentieren. Diese Funde bieten eine gute Gelegenheit, unser Verständnis der Neandertalerökologie zu vertiefen und Vergleiche zum sehr frühen Jungpaläolithikum anzustellen.

Ausgrabungs Foto
Knochenfoto
Ausgrabung von Rentierknochen (2006)
Kiefer eines Wolfes aus Jonzac

Ebenfalls untersucht wird die Archäofauna von Pech de l’Azé IV (Dordogne). Diese Fundstelle zeigt eine lange Abfolge mittelpaläolithischer Besiedlungen und ein Ausgrabungsprojekt mit Kollegen von der University of Pennsylvania von 2000 bis 2003 entdeckte umfangreiches faunisches und lithisches Inventar. In der tiefsten Schicht waren einige in situ Bestandteile von Feuerstellen erhalten, die uns ermöglichten, die Feuernutzung bei Neandertalern zu untersuchen. Rotwild, Rehwild und einige Überreste von Pferden und großen Bovidae sind typisch für die meisten Fundzusammenhänge. Eine Ausnahme bildet hier das sehr späte Moustérien, in dem Rentiere das Rotwild als vorherrschende Cervidae ersetzten. Ein Schwerpunkt dieses Projekts ist die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Veränderungen in der Steinwerkzeugtechnik und der Nutzung der Tierwelt als Nahrungsquelle innerhalb der archäologischen Abfolge in Peche IV.

Pech IV excavation
bone
Profile of Pech IV at the end of excavations
in 2003, including the burned layer 8
Butchery traces on red deer bone
from Layer 8 at Pech IV

Das frühe Jungpaläolithikum wird anhand tierischer Überreste der Ausgrabungstätten Brassempouy (Landes) und Isturitz (Pyrénées-Atlantiques) ausgewertet. In Zusammenarbeit mit Forschern aus Bourdeaux und Toulouse behandeln diese Studien die Nutzung von Tieren für Ernährungs- und Kulturzwecke. So zeigt sich der durchgängige Gebrauch von tierischen Skelettresten für symbolische Darstellungen (z.B. als persönlicher Schmuck oder bildliche Kunst) erstmals im frühen Jungpaläolithikum auf diesen und anderen europäischen Fundstellen. Die Ergebnisse von Brasseempouy und Isturitz werden eine solide Basis bilden, von der aus andere frühe jungpaläolithische Fundstellen, die ebenfalls tierische und symbolische Fundkonzentrationen beherbergen, verglichen werden können. Die Vogelherdhöhle in Deutschland beispielsweise wurde von einem Mitglied unserer Arbeitsgruppe (Laura Niven) untersucht.

 

2) Das Moustérien und das Atérien in Marokko

Wir werden die tierischen Überreste der neuerlichen Ausgrabung bei Jebel Irhoud bestimmen und analysieren. Die Fundstelle hat wichtige menschliche Fossilien hervorgebracht, allerdings ist wenig über ihren archäologischen Kontext bekannt, insbesondere fehlen zooarchäologische Analysen. Zum Vergleich werden wir die tierischen Überreste der Rhafashöhle im Osten Marokkos untersuchen. Diese Fundstelle enthält sowohl Moustérien- als auch Atérienelemente und stellt somit eine gute Fundkonzentration dar, anhand der die Ökologie der Hersteller dieser beiden Industrien eingeschätzt werden kann.

 

Darüber hinaus arbeiten wir eng mit Vertretern der Biomolekularen Archäologie zusammen, um die frühen Ernährungsweisen, das Paläoklima und die Migration zu erforschen.

 

 

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