01.10.2016 - 20:56
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Aktuelle Pressemitteilungen

Ansprechpartner: Sandra Jacob (E-Mail: info@[>>> Please remove the brackets! <<<]eva.mpg.de, Tel.: 0341-3550 122)


26. September 2016: Kinder suchen übereifrig nach sozialen Regeln

Schon Dreijährige erfassen rasch soziale Normen. Dabei verstehen sie auch Verhaltensweisen als regelgeleitet, die dies gar nicht sind, und pochen darauf, dass diese selbst unterstellten "Normen" eingehalten werden.

In einer Studie, die aktuell in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht ist, zeigt Marco F. H. Schmidt in Zusammenarbeit mit Lucas P. Butler (Assistant Professor an der Universität Maryland), Julia Heinz und Professor Michael Tomasello (Co-Direktor am MPI für evolutionäre Anthropologie in Leipzig) nun, dass Dreijährige soziale Normen nicht nur, wie klassisch angenommen, durch direkte Anweisung und Verbote lernen, sondern eigenständig nach Normen suchen und diese sogar dort unterstellen, wo Erwachsene gar keine sehen.

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Originalveröffentlichung

26. September 2016: Gehörknöchelchen im Vergleich: Andere Gestalt, ähnliche Funktion
Gehörknöchelchen

Forscher haben die bisher größte Anzahl von Neandertaler-Gehörknöchelchen entdeckt und sie mit denen von modernen Menschen verglichen

Ein Forscherteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie hat die Schädel von Neandertalern gescannt und dabei die erhalten gebliebenen, für das Hören so wichtigen Mittelohr-Gehörknöchelchen gefunden. Überraschender- weise unterschieden sich diese in ihrer Gestalt von den Gehörknöchelchen moderner Menschen. Da sich die Ohrregion in enger Nachbarschaft zum Gehirn befindet, sind den Autoren zufolge diese Unterschiede darin begründet, dass die Zunahme des Gehirnvolumens bei Neandertalern und modernen Menschen während der Evolution unterschiedlich verlaufen ist, was auch zu Unterschieden in der Gestalt des Mittelohres führte. Allerdings funktioniert das Mittelohr bei beiden Menschenarten trotz dieser Gestaltunterschiede ähnlich. Moderne Menschen und Neandertaler könnten also über eine ähnliche Lautkommunikation verfügt haben. Die Ergebnisse der aktuellen Studie können auch dazu beitragen, den Ursprung von menschlicher gesprochener Sprache indirekt zu rekonstruieren.

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Originalveröffentlichung

16. September 2016: Paläoproteomik hilft bei der Unterscheidung zwischen modernem Menschen und Neandertaler
Neandertaler Schmuck

Forscher entschlüsseln uralte Proteine von Neandertalern aus dem Châtelperronien

Für die Beantwortung der Frage, was für Fähigkeiten die Neandertaler besaßen und warum sie ausgestorben sind, nimmt die archäologische Kultur des Châtelperronien eine Schlüsselstellung ein. Trotz intensiver Forschung blieb jedoch unklar, wer die Châtelperronien-Kultur geschaffen hatte: der moderne Mensch oder der Neandertaler. Bislang gab es keine direkten molekularen Daten für Neandertaler im Zusammenhang mit dem Châtelperronien. Um dieses Problem zu lösen, hat sich ein internationales Forscherteam jetzt aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der Proteinanalyse zunutze gemacht und in Kombination mit zahlreichen weiteren Belegen zeigen können, dass während des Châtelperronien Neandertaler die Grotte du Renne, eine archäologischen Stätte im nördlichen Zentralfrankreich, bewohnt hatten.

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Originalveröffentlichung

06. September 2016: Wie einzelne Zellen komplexe Organe aufbauen
Foto von Barbara Treutlein

Schering Stiftung ehrt Nachwuchswissenschaftlerin Barbara Treutlein für ihre herausragenden Arbeiten zur Einzelzell-Transkriptom-Analyse mit dem Friedmund Neumann Preis 2016

Während der menschlichen Entwicklung differenzieren sich Stammzellen in die unterschiedlichsten Zelltypen, die dann komplexe Organe aufbauen und deren Funktionen bestimmen. Bisherige Studien konnten nur bedingt die genetischen Prozesse beleuchten, die dieser Entwicklung zu menschlichen Organen zugrunde liegen. Die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Barbara Treutlein vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat die Methode der Einzelzell-Transkriptom-Analyse adaptiert, und so erstmals eine genomweite Messung der Genabschrift in beispiellos hoher Auflösung ermöglicht. In ihrer Forschung findet diese Technik Anwendung, um die genetischen Grundlagen der Differenzierung von Zellen zu Organen – der sog. Organogenese – zu verstehen und unter kontrollierten Bedingungen in der Zellkultur nachzuahmen. So züchtet Dr. Treutlein in ihrem Labor Organoide, also organähnliche Strukturen, von Leber und Gehirn und vergleicht diese mit echtem Organgewebe.

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27. Juli 1016: Flexible Kontrolle über erlernte Lautäußerungen bei Orang-Utans
Orang-Utan Rocky

Orang-Utan Rocky könnte den Schlüssel dazu liefern, wie sich die menschliche Sprache seit der Zeit der Vorfahren der Menschenaffen entwickelt hat

Bisher gingen Experten davon aus, dass unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen, keine neuen Laute lernen können und dass Sprache – ein erlerntes Verhalten - folglich nicht bei ihnen ihren Ursprung hatte. In einem Imitiationsspiel gelang es dem Orang-Utan Rocky die Tonhöhe und den Tonfall der von einer Forscherin geäußerten vokalähnlichen Rufe nachzuahmen. Die Entdeckung zeigt, dass Orang-Utans die Fähigkeit haben, ihre Stimme zu kontrollieren. Dem internationalen Forscherteam gehörte auch Alexander Mielke vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig an, geleitet wurde es von Forschern der Durham University in Großbritannien.

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© Adriano Lameira, Durham University, UK

12. Juli 2016: Homo erectus ging wie wir
Fußabdruck

1,5 Millionen Jahre alte Fußabdrücke geben Einblicke in das Leben von Frühmenschen

Fossile Knochen und Steinwerkzeuge verraten uns viel über die menschliche Evolution. Doch wie sich unsere Vorfahren zum Beispiel fortbewegten oder miteinander interagierten lässt sich daraus kaum ableiten. Unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der University of Washington entdeckte ein internationales Forscherteam im Norden Kenias Fußspuren von Homo erectus, die die Fortbewegungsmuster und Gruppenstrukturen dieser Urmenschen hervorragend dokumentieren. So fanden die Forscher mithilfe neuester Analysemethoden heraus, dass die Gangart vom Homo erectus der des modernen Menschen stark ähnelt. Darüber hinaus belegen die Forscher anhand der Fußabdrücke ein Sozialverhalten, das mit dem moderner Menschen vergleichbar ist.

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30. Juni 2016: Weibliche Bonobos senden Männchen gemischte Signale
Weibliche Bonobos

Sexualschwellungen weiblicher Bonobos sind unzuverlässige Anzeiger ihrer Fruchtbarkeit

Bei vielen Primatenarten stimulieren visuelle Signale der Weibchen das Paarungsverhalten der Männer. So geben die auffällig gefärbten Schwellungen im Ano-Genitalbereich vieler Arten Hinweise auf die Empfängnisbereitschaft der Weibchen. In einer Studie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben die Primatenforscherin Pamela Heidi Douglas und Kollegen erstmals die Beziehung zwischen Sexualhormonen und Sexualschwellungen freilebender Bonobos untersucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Weibchen innerhalb der maximalen Schwellungsphase seinen Eisprung hat, ist demzufolge sehr viel geringer als bei den nah verwandten Schimpansen. Die Schwellungen sind also kein zuverlässiges Fruchtbarkeitssignal für die Männchen. Möglicherweise können die Weibchen dadurch leichter ihre eigenen Interessen bei der Partnerwahl verfolgen.

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24. Mai 2016: Neandertaler waren von Geburt an stämmig
Skelett

Unsere nächsten Verwandten wurden schon mit kräftigeren Knochen geboren

Würde ein Neandertaler neben uns in der U-Bahn sitzen – wir würden es womöglich nicht einmal bemerken. Nur bei genauerem Hinsehen fielen der gedrungenere und kräftigere Körperbau auf. Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben nun untersucht, ob die Unterschiede im Körperbau zwischen Neandertalern und modernen Menschen genetisch bedingt sind oder durch unterschiedliche Lebensweisen entstanden sind. Ihre Analysen zweier gut erhaltener Skelette von Neandertaler-Neugeborenen zeigen, dass die robusten Knochen bereits vor der Geburt angelegt sind.

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18. Mai 2016: Mütter machen einen Unterschied
Rhesusaffen

Rhesusaffen-Mütter entwickeln zu Söhnen eine schwächere Bindung als zu Töchtern

Primaten und viele andere Säugetiere bauen enge soziale Bindungen zu verwandten Artgenossen auf; besonders eng ist vor allem die Mutter-Kind-Beziehung. Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Universität Leipzig untersuchten auf Cayo Santiago, einer Insel nahe Puerto Rico, ob Rhesusaffen-Mütter ihren männlichen und weiblichen Nachwuchs gleichermaßen bzw. unterschiedlich behandeln, wenn es um den Aufbau dieser essentiellen Bindungen geht. Das Ergebnis überraschte: Söhnen schenkten die Mütter während des ersten Lebensjahrs zwar genau so viel Zuwendung wie Töchtern, verhielten sich ihnen gegenüber aber aggressiver. Dies führt offenbar dazu, dass Rhesusaffen-Söhne eine weniger starke Bindung zu ihren Müttern aufbauten als Töchter. Des Weiteren tendierten Söhne, die weniger Zeit mit ihrer Mutter verbracht hatten und aggressiver behandelt worden waren dazu, früher aus ihrer Geburtsgruppe abzuwandern.

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02. Mai 2016: Das genetische Geschichtsbuch der Steinzeit
Eiszeitlicher Jäger

Forscherteam belegt eine bewegte Geschichte Europas vor und während der letzten Eiszeit

Ein internationales Forscherteam aus den Max-Planck-Instituten in Jena und Leipzig sowie der Universität Harvard untersuchte die DNA von Menschen, die in der Zeit von der Erstbesiedlung des Kontinents bis zum Aufkommen der Landwirtschaft in Europa lebten. Die Befunde weisen auf Perioden langer Kontinuität und auf bisher unbekannte Bevölkerungsbewegungen hin.

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The Genetic History of Ice Age Europe (© Rick Groleau)

02. Mai 2016: Auch Kinder tratschen
Fünfjährige tratschen

Fünfjährige beeinflussen den Ruf anderer mit Klatsch und Tratsch

Bei der Wahl eines Kooperationspartners können Informationen über dessen Ruf nützlich sein, zum Beispiel als ein großzügiger oder ein geiziger Mensch. Viele Tierarten bewerten die Kooperationsbereitschaft ihrer Artgenossen, aber nur Menschen geben bewertende soziale Informationen über andere weiter, sie „tratschen“ über ihre Mitmenschen. Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig belegen nun, dass Fünfjährige bereits tratschen, Dreijährige aber nicht.

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27. April 2016: Frühmenschen bei Raubtieren auf dem Speiseplan
Oberschenkelknochen

Zahnspuren auf einem 500.000 Jahre alten Oberschenkelknochen aus Marokko deuten darauf hin, dass große Raubtiere einst Menschen jagten oder deren Aas verspeisten

Ein internationales Forscherteam um Camille Daujeard vom Muséum National D'Histoire Naturelle in Paris und Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat Zahnspuren auf dem 500.000 Jahre alten Oberschenkelknochen eines Homininen aus einer Höhle in Marokko analysiert. Dabei fanden die Forscher heraus, dass dieser von großen Fleischfressern, wahrscheinlich von Hyänen, verspeist worden war.

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04. April 2016: Genetik offenbart den Einfluss der Lebensweise auf die Evolution
Khoisan

Forscher finden Unterschiede zwischen Jäger- und Sammlerkulturen und bäuerlich lebenden Volksgruppen

Bislang ging man davon aus, dass die Zahl der Veränderungen im Genom nicht durch kulturelle Faktoren beeinflusst wird. Dem entgegen steht nun das Ergebnis einer aktuellen Studie. Ein Forscherteam aus Deutschland und Frankreich analysierte mehr als 500 Sequenzen des männlichen Y-Chromosoms bei Landwirtschaft treibenden Ethnien und bei traditionell als Jäger und Sammler lebenden Bevölkerungsgruppen im südlichen Afrika. Dabei zeigte sich in den Abstammungslinien der bäuerlichen Bevölkerung eine vergleichsweise hohe Veränderungsrate. Die Forscher erklären das mit dem deutlich höheren Durchschnittsalter der Väter. Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: Der letzte gemeinsame Urahn des menschlichen Y-Chromosoms ist offenbar sehr viel älter als bislang angenommen.

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18. März 2016: Jäger und Sammler der Steinzeit trugen zur besseren Anpassung der Europäer bei

Umweltanpassungen in den Genen der Europäer stammen größtenteils eher von Jägern aus der Steinzeit als von Bauern

Moderne Menschen haben sich im Laufe von vielen Tausend Jahren an ihre Umwelt angepasst. Doch wie genau verschiedene Varianten des Erbguts zu dieser Anpassung beigetragen haben, war lange umstritten. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben nun das Erbgut von Menschen analysiert, die vor 45.000 bis 7.000 Jahren gelebt haben. Die Analysen zeigen, dass die Anpassung an lokale Umweltbedingungen zu einem gehäuften Vorkommen bestimmter Genvarianten in Europäern geführt hat. Interessanterweise traten die meisten dieser adaptiven Varianten bereits bei frühen Jägern und Sammlern auf, jedoch nicht bei frühen Bauern. Jäger und Sammler, die mehrere Tausend Jahre vor Auftreten der Bauern in Europa lebten, waren also an die Umweltbedingungen vor Ort angepasst und haben diese Genvarianten an heute lebende Europäer weitergegeben.

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14. März 2016: Frühester Nachweis von Neandertaler-DNA in 400.000 Jahre alten Hominiden aus Spanien
Hominidenknochen

Analyse des Erbguts von Hominiden aus der Fundstätte Sima de los Huesos in Spanien belegt Verwandtschaft mit Neandertalern

Frühere Untersuchungen des mütterlich vererbten mitochondrialen Genoms eines Hominiden aus der „Knochengrube“ Sima de los Huesos aus dem Jahre 2013 hatten ergeben, dass die Mitochondriengenome dieser Frühmenschen entfernt mit denen der Denisova-Menschen verwandt waren, ausgestorbenen Verwandten des Neandertalers aus Asien. Dieses Ergebnis überraschte, denn äußerlich weisen die Fossilien einige Neandertaler-Merkmale auf. Um die Verwandtschaftsverhältnisse näher zu beleuchten, sequenzierten Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig nun Erbgut aus dem Zellkern dieser Fossilien – eine technische Herausforderung, denn von der extrem alten DNA waren nur noch sehr kurze Fragmente übrig. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sima-Hominiden frühe Neandertaler waren.

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04. März 2016: Mehr Sumatra-Orang-Utans als bisher angenommen
Sumatra Orang-Utan

Auf Sumatra leben mehr Orang-Utans als erwartet, doch die fortschreitende Abholzung könnte ihre Zahl künftig wesentlich verringern

Der Sumatra Orang-Utan, eine der zwei existierenden Orang-Utan-Arten, lebt ausschließlich im Norden der indonesischen Insel Sumatra und ist vom Aussterben bedroht. Gründe dafür sind Wilderei, Abholzung und die Umwandlung des Lebensraums dieser Menschenaffen in Ackerfläche. Ein internationales Forscherteam hat jetzt umfangreiche Datenerhebungen durchgeführt, um die Zahl der Sumatra Orang-Utans neu zu schätzen. Die Wissenschaftler haben dabei festgestellt, dass noch 14.600 Sumatra Orang-Utans in freier Wildbahn leben – 8.000 mehr als bisher gedacht. Eine gute Nachricht, doch ist nicht ein Populationswachstum der Grund, sondern die größere Reichweite der Erhebung. Darüber hinaus könnten bis 2030 bis zu 4.500 Orang-Utans verschwinden, sollte die Abholzung ihres Lebensraums wie geplant fortschreiten. Deshalb mahnen die Forscher die nationalen und lokalen Gesetzgeber Sumatras, Maßnahmen umzusetzen, um negative Auswirkungen auf die Wälder, in denen Orang-Utans leben, zu vermeiden.

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29. Februar 2016: Warum werfen Schimpansen Steine gegen Bäume?
Schimpanse Westafrika

Neu entdecktes Verhalten und Steinanhäufungen frei lebender Schimpansen erinnern an vom Menschen geschaffene Steinhaufen

Schimpansen nutzen häufig Werkzeuge, um damit an Nahrung zu kommen oder um diese aufzunehmen. Die Tiere unterscheiden sich jedoch regional, welche Werkzeuge sie für welchen Zweck benutzen. Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben deshalb das „Pan African Programme: The Cultured Chimpanzee“ ins Leben gerufen. In diesem Programm haben sie seit 2010 standardisiert in ganz Afrika Daten zum Verhalten von Schimpansen, zur Demografie und Ressourcenverfügbarkeit gesammelt. Dabei sind die Wissenschaftler jetzt auf eine bislang gänzlich unbekannte Verhaltensweise gestoßen: In Westafrika häufen Schimpansen Steine an, wenn sie diese gegen Bäume werfen. Warum die Tiere dies tun, wissen die Forscher noch nicht. Das Verhalten weist aber kulturelle Elemente auf.

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25. Februar 2016: Vermischung von Orang-Utan-Unterarten beunruhigt Forscher
Borneo Orang-Utans

Auswilderung verschiedener Unterarten führte zur Hybridisierung einer vom Aussterben bedrohten Wildtierpopulation

Weil ihre Lebensräume zunehmend zerstört werden, gelangen weltweit immer mehr vom Aussterben bedrohte Tierarten in Pflege- und Auffangstationen. Oberstes Ziel ist oft die Auswilderung und Integration der Tiere in frei lebende Populationen. In einer neuen Studie warnen Graham L. Banes und Linda Vigilant vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig davor, dass es dabei unter Umständen zu einer ungewollten Einschleppung von nicht einheimischen Unterarten kommen kann. Mithilfe von DNA-Analysen bewerteten die Forscher vergangene Auswilderungen in den Tanjung Puting Nationalpark in Indonesien und stellten fest: Orang-Utans einer nicht einheimischen und genetisch verschiedenen Unterart wurden unwissentlich in den Nationalpark entlassen und haben sich mit frei lebenden Populationen vermischt. Bereits vor etwa 176.000 Jahren trennten sich die evolutionären Wege beider Unterarten, die sich in den letzten 80.000 Jahren auch stark voneinander differenziert haben. Die Vermischung könnte negative Auswirkungen auf die Überlebensfähigkeit der ohnehin schon bedrohten Populationen haben, so die Forscher.

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24. Februar 2016: Zähne sagen menschliche Evolution voraus

Forschern zufolge ist die Evolution menschlicher Zähne viel einfacher als bisher angenommen

Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Biologen Alistair Evans von der Monash Universität in Australien hat die Zähne von Menschen und fossilen Homininen unter einem neuen Blickwinkel untersucht. Die Forscher konnten belegen, dass die Größe der Backenzähne, einschließlich der Weisheitszähne, einer Regel folgt, die besagt, dass die Größe eines Zahns die Größe des Nachbarzahns beeinflusst. Die Evolution menschlicher Zähne war also sehr viel einfacher, als Wissenschaftler bisher angenommen haben. Dem internationalen Team gehörten auch Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig an: Die Analyse der von der Abteilung für Humanevolution generierten Daten machte diese groß angelegte Studie zur Entwicklung von Zähnen erst möglich.

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17. Februar 2016: Früher Genfluss vom modernen Menschen zum Neandertaler
Moderner Mensch im Neandertaler

Wissenschaftler finden den ersten genetischen Beleg für menschliche DNA in einem Neandertaler

Ein internationales Forscherteam hat mithilfe verschiedener DNA-Analysemethoden entdeckt, dass Neandertaler und moderne Menschen sich vor etwa 100.000 Jahren und damit mehrere Zehntausend Jahre früher als bisher bekannt vermischt haben. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass einige moderne Menschen bereits früh aus Afrika auswanderten und sich mit Neandertalern vermischten. Diese modernen Menschen starben aber später aus, gehören also nicht zu den Vorfahren heute lebender Nicht-Afrikaner, vermischten.

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21. Januar 2016: Obstmangel im Regenwald
Schimpansen und Früchte

Für Schimpansen ist es schwierig, sich mit energiereichen Nahrungsmitteln wie tropischen Früchten zu versorgen

In unseren Supermärkten kaufen wir Himbeeren im Winter und Esskastanien im Sommer. Wie wäre es aber, wenn wir uns vor allem von Obst ernähren würden und dieses von heimischen Bäumen selbst pflücken müssten? Eine größtenteils pflanzliche Ernährung, ein einfacher Magen und ein relativ großes Gehirn, das extra Energie verbraucht, stellen Schimpansen bei der täglichen Nahrungssuche vor Herausforderungen. Ein Konsortium von Wissenschaftlern des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, der Harvard University, der McGill University, der University of St. Andrews und der Université Félix Houphouët Boigny hat in drei Regenwäldern in Ost-, Zentral- und Westafrika gesammelte Daten ausgewertet. Mit ihrer Analyse zur monatlichen Verfügbarkeit junger Blätter und unreifer sowie reifer Früchte können sie jetzt abschätzen, wie schwierig es für Schimpansen ist, diese Nahrung zu finden, und vorauszusagen, wo, wann und in welcher Menge sie an einzelnen Bäumen verfügbar ist. Schimpansen können daher verschiedene Strategien einsetzen, um sich den Zugang zu den energiereichsten aber kurzlebigen Nahrungsquellen zu sichern.

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14. Januar 2016: Freundschaften zwischen Schimpansen basieren auf Vertrauen
Schimpansen in Kenia

Vertrauen und Freundschaft gehören nicht nur beim Menschen eng zusammen

Dass eine echte Freundschaft unter Menschen sich durch gegenseitiges Vertrauen auszeichnet, scheint uns selbstverständlich. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben jetzt herausgefunden, dass dies auch auf befreundete Schimpansen zutrifft. Auf Vertrauen basierende Freundschaften scheinen also im Laufe der Evolution sehr viel früher entstanden zu sein, als bisher angenommen, und sind kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen.

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07. Januar 2016: Neandertaler-Gene stärkten das Immunsystem moderner Menschen

Vermischung verschiedener Menschenformen spielte wichtige Rolle für das Immunsystem des Menschen

Als moderne Menschen vor vielen Tausend Jahren in Europa auf Neandertaler trafen und sich mit ihnen fortpflanzten, erbten einige Nachkommen Genvariationen, deren Träger Infektionen besser abwehren konnten. Dieses Neandertaler-Erbe könnte aber auch dafür verantwortlich sein, dass einige Menschen anfälliger für Allergien sind. Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und vom Institut Pasteur und dem CNRS in Paris belegen jetzt in zwei voneinander unabhängigen Artikeln die wichtige Rolle artübergreifender Beziehungen für die Evolution des Menschen und insbesondere für die Evolution des angeborenen Immunsystems, das uns vor Infektionen schützt.

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