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Der Bystraja Bezirk (Bystrinskij rajon) befindet sich im zentralen Teil der Halbinsel Kamtschatka und wurde 1926 gegründet. Die Dörfer Esso (Verwaltungsbezirk) und Anawgaj sind heute die Hauptorte des Bezirks. Sie sind mit Petropawlowsk-Kamtschatskij, der Hauptstadt der Region Kamtschatka, durch eine tägliche Buslinie verbunden. Die Entfernung zwischen Esso und Petropawlowsk beträgt 530 km, während Anawgaj 25 km nordwestlich von Esso liegt. Statistiken aus dem Jahr 2006 zufolge (Gernet 2008) zählt der Bystraja Bezirk ca. 3000 Einwohner, unter denen fast 900 Ewenen (ca. 30%) sind. Etwas weniger als die Hälfte der Ewenen wohnt in der Siedlung Anawgaj, in der sie die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen. Die Hauptbevölkerung des Bystraja Bezirks bilden Russen; zusätzlich leben hier auch Korjaken, die hauptsächlich in Anawgaj wohnen.
Die ersten Ewenen kamen Mitte des 19.Jahrhunderts nach Kamtschatka, als einige ewenische Stämme von Ostsibirien hierher übersiedelten. Bis 1920 führten sie ein vollständig nomadisches Leben, ohne sich in Siedlungen zusammenzuschließen. Erst 1926 wurden die Siedlungen Anawgaj, Lautschan und Kekuk gegründet. 1932 wurde die Siedlung Esso zum Verwaltungszentrum des Bystraja Nationalen (Ewenischen) Bezirks erklärt. Ab Mitte der 1950-er Jahre wurde auf Grund der Erweiterungspolitik der kleinen Kolchosen im Bystraja Bezirk eine Reihe von Dörfern (Kekuk, Lautschan, Bystraja und andere), in denen vorwiegend Ewenen wohnten, geschlossen. Die Einwohner wurden in die Dörfer Twajan (auch Mitte der 70-er Jahre geschlossen), Esso und Anawgaj übersiedelt. Neben dem Bystraja Bezirk wohnen Ewenen auf Kamtschatka auch in den Oljutor und Penschina Bezirken (Burykin 2004).
Die einheimische Bevölkerung beschäftigt sich hauptsächlich mit der Jagd und Fischerei; außerdem gibt es einige Rentierherden. Unter der indigenen Bevölkerung ist zudem eine besondere Siedlungsform, die so genannten ‚Fischercamps’ (‚rybalki’), sehr verbreitet. Dies sind autonome Gehöfte mit Häusern (Jurte), Wirtschaftsgebäuden und manchmal mit Gemüsegärten; sie liegen vorwiegend an Flüssen, die von den Lachszügen besucht werden. In der Regel wohnen ältere Menschen das ganze Jahr über in diesen Fischercamps, während die jüngeren Familienmitglieder sich ihnen im Sommer anschließen.
Die Sprache der Ewenen des Bystraja Bezirks ist stark bedroht, da sie immer mehr vom Russischen verdrängt wird. Heutzutage wird Ewenisch selbst nach optimistischen Einschätzungen der Sprecher nur noch von über Vierzigjährigen verwendet und wird nicht an Kinder weitergegeben.
Gernet, Katharina (2008) "Kulturrevolution" in Zentral-Kamtschatka: Die Integration der evenischen Rentiernomaden in die sowjetische Gesellschaft. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden.
Burykin A.A. (2004) Jazyk malotschislennogo naroda v ego pis’mennoj forme. Peterburgskoe Vostokovedenie, Sankt-Petersburg.
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