01.11.2014 - 14:25
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Contact

Department of Primatology

Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology
Deutscher Platz 6
04103 Leipzig

phone: +49 (341) 3550 - 200
fax: +49 (341) 3550 - 299

Überblick

Die Abteilung für Primatologie sucht unter Berücksichtigung der unterschiedlichsten Daten von unseren engsten lebenden Verwandten, den Menschenaffen, die Frage zu beantworten: „Was macht uns zu Menschen?“ Unserer Überzeugung nach führt ein detailliertes und umfassendes Wissen über Menschenaffen zu einem besseren Verständnis über die Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Menschen. Wir konzentrieren uns dabei auf wildlebende Populationen von Menschenaffen in Afrika und nutzen diese als Modell, um unser Wissen über den jeweils spezifischen Evolutionsprozess im Sozialverhalten, der Genetik, der Ökologie, der Kultur und kognitiven Aspekten besser zu verstehen.

Die Verknüpfung von Umwelt, Physiologie und Verhalten zwischen den Arten

Wir nutzen interdisziplinäre Ansätze, die ökologische, physiologische und verhaltensspezifische Daten umfassen und vergleichen diese gegebenenfalls zwischen den verschiedenen Feldforschungsgebieten, Populationen bzw. Arten.
Drei Forschungsprojekte verdeutlichen die Bandbreite dieses vergleichenden Ansatzes:

  • Ökologie der Kultur und Kognition von Schimpansen: Im Rahmen dieses kontinentübergreifenden und interdisziplinären Ansatzes möchten wir klären, inwieweit ökologische Fantoren die Entwicklung des Werkzeuggebrauchs, des Fleischverzehrs, der Sozialstruktur und der Kultur beeinflussen. Dieses Projekt umfasst auch die Analyse stabiler Isotope (in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Humanevolution).
  • Entwicklung von räumlichem Wissen bei Schimpansen und Menschen: Im Rahmen eines Langzeit-Kooperationsprojekts mit zwei Forscherteams, die noch traditionell als „Jäger und Sammler“ lebende Volksgruppen erforschen (z.B. Hadza in Tansania und Aka-Pygmäen in der Zentralafrikanischen Republik), wird das räumliche Wissen von Menschen und Schimpansen mithilfe einer ähnlichen GIS-Methode verglichen.
  • Energiebilanz der Nahrungssuche bei afrikanischen Menschenaffen und Menschen: Im Rahmen eines mehrere Forschungsgebiete umfassenden Ansatzes werden mittels neuer Technologie der Ernährungszustand von wildlebenden Tieren und der Nährstoffgehalt ihrer Nahrung gemessen (in Zusammenarbeit mit dem IZW Berlin und Prof Kauf in Leipzig). Ziel ist es, zu verstehen, wie Tiere Unterschiede in der Nahrungsverfügbarkeit kompensieren und inwieweit sie ihre Ernährungsweise durch physiologische Anpassung ausgleichen können.

Forschungsschwerpunkte

Zurzeit umfasst die Abteilung Primatologie verschiedene Forschergruppen, die sich auf die Studie wildlebender Menschenaffenpopulationen konzentrieren. Eine Arbeitsgruppe erforscht wildlebende Schimpansen im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste, im Loango-Nationalpark in Südgabun sowie in Kooperation mit dem Ngogo- und Budongo-Schimpansenprojekt in Uganda. Eine weitere Arbeitsgruppe erforscht Bonobos im Salonga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo. Die Gorilla-Arbeitsgruppe konzentriert ihre Feldarbeiten auf die Berggorillas in Uganda und Ruanda sowie im Rahmen eines neuen Kooperationsprojektes auf westliche Flachlandgorillas in der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und Nigeria.

Unsere drei Forschungslabore analysieren in Kooperation mit diesen wie auch anderen Feldforschungsprojekten genetische und hormonelle Aspekte sowie stabile Isotope. Neben dem GIS-Labor und der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut ist es uns somit möglich, ökologische Faktoren umfassend zu untersuchen, einschließlich Pathogene, von denen die Menschenaffen betroffen sind.

Schutz der biologischen Vielfalt

Alle Menschenaffen sind massiv vom Aussterben bedroht, denn ihr Lebensraum wird zerstört, die Belastung durch den Menschen nimmt zu, sie sind Opfer des florierenden Buschfleischhandels und leiden unter tödlichen Krankheiten. Dies alles hat viele Mitglieder unserer Abteilung dazu bewogen, aktiv an verschiedenen Naturschutzmaßnahmen mitzuwirken.

Ein bedeutender wissenschaftlicher Beitrag zum Naturschutz bietet das Biomonitoring. Im Moment arbeiten wir in Kooperation mit verschiedenen Naturschutzorganisationen, um eine verlässliche Zensus-Methode sowohl für Schimpansen wie auch für Gorillas zu entwickeln. Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Abteilung ist die IUCN/A.P.E.S. Datenbank (http://gis.eva.mpg.de), die hier entwickelt und verwaltet wird und in der sämtliche verfügbaren Zensus-Daten aller großen Menschenaffen erfasst sind. Dank dieser Datenbank sind Erfolgsmessungen von Naturschutzprojekten sowie Prognosen zur zukünftigen Entwicklung von Schimpansenpopulationen möglich.

Zusätzlich dazu entwickelte die Wild Chimpanzee Foundation (www.wildchimps.org) und die von Studenten gegründete „Conservation Group“ vor Ort Naturschutzprojekte, um die Überlebenschancen der afrikanischen Menschenaffen zu verbessern.