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Den Wurzeln von Kooperation und Kultur auf der Spur

Unter der Leitung von Liran Samuni startet eine neue Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig

Kooperation und Kultur sind für den Erfolg von Menschen und anderen in sozialen Gemeinschaften lebenden Tieren von zentraler Bedeutung. Doch welche ökologischen und sozialen Bedingungen ihre Entstehung, ihr Fortbestehen und ihre Ausbreitung ermöglichen, ist größtenteils unklar. Hier setzt die neue Max-Planck-Forschungsgruppe „Cooperative Cultures“ an: Unter der Leitung der Verhaltensökologin Dr. Liran Samuni wird sie unter anderem untersuchen, welchen Einfluss Umweltveränderungen und Bedrohungen durch artgleiche Individuen aus fremden Gruppen auf Kooperation und kulturelle Traditionen bei unseren nächsten lebenden Verwandten, den Schimpansen und Bonobos, haben. Die Gruppe hat im Juni 2026 ihre Arbeit aufgenommen.

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Dr. Liran Samuni. © Erin Wessling

Im Tierreich muss sich jedes Individuum an wechselnde Umweltbedingungen, Konkurrenz und soziale Herausforderungen anpassen. Bei hochsozialen Arten kann Kooperation den Zugang zu Nahrung erleichtern und bei der Bildung von Allianzen, der Aufzucht des Nachwuchses sowie der Verteidigung des Territoriums helfen. Außerdem können erlernte Verhaltensweisen zwischen Individuen und über Generationen hinweg weitergegeben werden. So entstehen kulturelle Traditionen, die sich zwischen Gruppen und Populationen unterscheiden. Um die evolutionären Ursprünge des menschlichen Soziallebens zu rekonstruieren, ist es entscheidend, zu verstehen, wie und warum solche Verhaltensweisen erhalten bleiben oder verloren gehen und welchen Vorteil sie bieten.

Wie Kooperation und Kultur Gestalt annehmen

Die Forschungsgruppe „Cooperative Cultures“ wird grundlegende Fragen zu den ökologischen und sozialen Grundlagen von Kooperation und Kultur bei Hominiden und darüber hinaus untersuchen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Umweltvariabilität, Bedrohungen durch Fremdgruppen und die Toleranz gegenüber Individuen aus anderen Gruppen kooperative Tendenzen sowie die Beständigkeit und Weitergabe kultureller Verhaltensweisen in Populationen und Gruppen von Bonobos (Pan paniscus) und Schimpansen (Pan troglodytes) beeinflussen.

„Schimpansen und Bonobos bieten eine besonders wertvolle Perspektive auf die Evolution von Kooperation und Kultur“, sagt Liran Samuni. „Als unsere nächsten lebenden Verwandten teilen sie viele entwicklungsbiologische, soziale und kognitive Merkmale mit uns. Gleichzeitig unterscheiden sie sich in wichtigen Punkten.“ So sind Bonobos beispielsweise gegenüber Individuen aus anderen Gruppen toleranter als Schimpansen und gehen sogar gruppenübergreifende kooperative Austauschbeziehungen ein, etwa beim Teilen von Nahrung. Sie gelten jedoch als kulturell weniger vielfältig und zeigen auch eine geringere Verhaltensvielfalt als ihre Schwesternart. „Diese natürlichen Unterschiede ermöglichen es uns, die Bedingungen zu untersuchen, unter denen bestimmte soziale Tendenzen oder Verhaltensflexibilität entstehen“, ergänzt Samuni. „Sie helfen uns auch dabei, zu verstehen, wie sich Kooperation und Kultur im Laufe der Evolution entwickelt haben.“

Unsere nächsten lebenden Verwandten im Vergleich

Um diesen Fragen nachzugehen, wird die Gruppe umfangreiche Langzeitdatensätze zur Ökologie, Demografie, zum Verhalten und zur Physiologie von Schimpansen und Bonobos auswerten. Durch den Vergleich mehrerer Populationen beider Arten über längere Zeiträume hinweg wollen die Forschenden ökologische und soziale Faktoren identifizieren, die Kooperation fördern, Interaktionen zwischen Gruppen prägen und die Ausbreitung oder den Fortbestand kultureller Traditionen begünstigen.

Mit diesem vergleichenden Ansatz über mehrere Arten und Populationen hinweg sollen neue Einblicke darüber gewonnen werden, wie Tiere soziale Strategien und erlernte Verhaltensweisen nutzen, um sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Untersuchung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Schimpansen und Bonobos soll den Forschenden dabei helfen, die evolutionären Prozesse, die menschliche Kooperation und Kultur geprägt haben, besser zu verstehen.

Über Liran Samuni

Liran Samuni promovierte im Jahr 2018 im Fach Biologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und an der Universität Leipzig. In ihrer Doktorarbeit untersuchte sie kooperative Strategien von Schimpansen im Kontext von Konkurrenz zwischen Gruppen, Jagd und Teilung von Nahrung. Nach einer kurzen Zeit als Postdoc am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie wechselte sie 2019 als „Postdoctoral Fellow“ an die Harvard University und 2022 als „Newton Research Fellow“ an die University of St Andrews. Seit 2023 leitete sie am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen die Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Primate Cooperative Evolution“. Dort untersuchte sie das Zusammenspiel von Kooperation und Konkurrenz bei Schimpansen und Bonobos. Seit 2024 ist Samuni Co-Direktorin des Taï Chimpanzee Project (TCP); 2022 gründete sie zudem das Moyen Bafing Chimpanzee Project in Guinea. In ihrer Forschung kombiniert sie Langzeit-Feldstudien, Verhaltensbeobachtungen sowie die Erhebung ökologischer und physiologischer Daten, um mithilfe vergleichender Ansätze die Evolution von Kooperation, sozialen Beziehungen und Kultur bei Menschenaffen besser zu verstehen.

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Max-Planck-Forschungsgruppen bieten promovierten Nachwuchswissenschaftler:innen eine hervorragende Möglichkeit, sich für eine weiterführende wissenschaftliche Karriere optimal zu qualifizieren. Die Leiter:innen dieser Gruppen werden vom Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft berufen und verfügen über einen unabhängigen Status innerhalb des jeweiligen Instituts.

Kontakt:

Dr. Liran Samuni
Max-Planck-Forschungsgruppe Kooperative Kulturen
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
liran_samuni@[>>> Please remove the text! <<<]eva.mpg.de

Sandra Jacob
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
+49 341 3550-122
jacob@[>>> Please remove the text! <<<]eva.mpg.de