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Rekonstruktion der Langzeitdynamik menschlicher Infektionskrankheiten

Arthur Kocher erhält ERC Starting Grant zur Erforschung der Dynamik alter Krankheitserreger

Das vom Europäischen Forschungsrat (ERC) finanzierte Projekt „EpidemioCene” wird unser Wissen über die Wechselwirkungen zwischen Infektionskrankheiten und der Menschheitsgeschichte der letzten 12.000 Jahre maßgeblich erweitern. Dazu untersucht das Team die Entstehung, Ausbreitung und Dynamik menschlicher Krankheitserreger in Westeurasien während des Holozäns mithilfe von Zehntausenden alter DNA-Datensätze, die am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und kooperierenden Institutionen generiert wurden.

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© privat

Im Gegensatz zu den meisten bisherigen Studien, die sich auf bestimmte Krankheitserreger oder archäologische Kontexte konzentrierten, sieht dieses Projekt systematische Analysen auf einer großen räumlich-zeitlichen Skala vor. Ziel ist es, die Verbreitung und die Determinanten von Krankheiten in der Vergangenheit quantitativ zu bewerten. Zu diesem Zweck werden modernste Protokolle für die Laborarbeit sowie bioinformatische Werkzeuge und statistische Methoden entwickelt. Damit soll die Empfindlichkeit der Pathogendetektion maximiert und die Häufigkeit von Krankheiten in der Vergangenheit anhand von alter DNA geschätzt werden. Potentielle Quellen für Verzerrungen und Kontaminationen werden dabei sorgfältig berücksichtigt.

Das Projekt kombiniert die Auswertung umfangreicher, alter Metagenomdaten mit epidemiologischer Modellierung und phylodynamischen Analysen von Pathogen-Genomen. So kann das Team die epidemiologischen Auswirkungen wichtiger demografischer, technologischer und ökologischer Veränderungen untersuchen, die seit dem Ende der letzten Eiszeit stattgefunden haben, darunter die Einführung der Landwirtschaft, die Urbanisierung und klimatische Ereignisse.

Die untrennbare Geschichte der Menschen und ihrer Krankheitserreger

Indem sie paläoepidemiologische Erkenntnisse mit archäologischen und ökologischen Aufzeichnungen verknüpfen, wollen die Forschenden den tiefgreifenden Einfluss von Veränderungen in der menschlichen Gesellschaft und der Umwelt auf die Dynamik von Krankheitserregern aufzeigen. „Die Untersuchung der Epidemiologie von Infektionskrankheiten über einen Zeitraum von mehreren Jahrtausenden wird es uns ermöglichen, die grundlegenden Zusammenhänge zwischen sozioökologischen Veränderungen und dem Auftreten sowie der Ausbreitung von Krankheitserregern aufzudecken”, sagt Projektleiter Arthur Kocher. „Dies wird unser Wissen über die Vergangenheit erweitern und uns dabei helfen, die aktuellen globalen Herausforderungen im Bereich der Gesundheit vorherzusehen und zu bewältigen.“

Die beispiellose Datenbasis und die methodische Innovation des Projekts werden neue Einblicke in die andauernde Beziehung zwischen Menschen und Infektionskrankheiten ermöglichen und eine solide Grundlage für zukünftige paläoepidemiologische Studien schaffen.

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Arthur Kocher absolvierte zunächst ein Studium der Veterinärmedizin und promovierte anschließend im Bereich Krankheitsökologie an der Universität Toulouse (Frankreich), wo er 2017 seinen Doktortitel erwarb. Anschließend war er als Postdoc am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena sowie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig tätig. Dort befasste er sich mit der Evolution und Geschichte von Krankheitserregern mithilfe paläogenetischer Methoden. Seit 2025 ist er als MSCA-Postdoc am Centre for Anthropobiology and Genomics in Toulouse, Frankreich, tätig, wo er die virologischen Auswirkungen der Domestizierung und veränderter Zuchtpraktiken bei Equiden in den letzten 5.000 Jahren erforscht.

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Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat die Vergabe von 478 Starting Grants an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Europa bekannt gegeben. Die Stipendien in Höhe von insgesamt 761 Mio. € unterstützen Spitzenforschung in einem breiten Spektrum von Disziplinen, von Medizin und Physik bis hin zu Sozial- und Geisteswissenschaften. Sie helfen Forschern, die am Anfang ihrer Karriere stehen, ihre eigenen Projekte zu starten, ihre Teams aufzubauen und ihre besten Ideen zu verfolgen.
 

Kontakt:

Dr. Arthur Kocher
Centre for Anthropobiology and Genomics of Toulouse &
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
arthur_kocher@[>>> Please remove the text! <<<]eva.mpg.de

Sandra Jacob
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
+49 341 3550-122
jacob@[>>> Please remove the text! <<<]eva.mpg.de