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Das Chimfunshi Schimpansenschutzgebiet

Das „Chimfunshi Wildlife Orphanage Trust“ ist ein Schutzgebiet für Schimpansen, das sich im sogenannten „Copperbelt“, einer Region im Norden Sambias (S12°23´, E29°32´), befindet. Die ersten Schimpansen nahm das Schutzgebiet in den frühen 1980er Jahren auf und beherbergt mittlerweile rund 130 von ihnen. Die Studien, die in Zusammenarbeit mit dem MPI durchgeführt werden, finden in einem sogennanten „Projektbereich“ von Chimfunshi statt. Dieses Areal, in dem ungefähr 100 Schimpansen untergebracht sind, besteht aus vier Waldgehegen, die zwischen 19 und 77 Hektar groß sind. Pro Waldgehege lebt eine Gruppe von Schimpansen. Die Gruppeneinteilung ergab sich ursprünglich aus der Ankunftszeit geretteter Jungtiere (Gruppe 1: 1984-1989, Gruppe 2: 1990-1994, Gruppe 3: 1995-1999 und Gruppe 4: 2000-20002 (van Leeuwen, Cronin, Haun, Mundry, & Bodamer, 2012)). Seitdem sind die Gruppen überwiegend durch Fortpflanzung gewachsen. Anfänglich konnten sich die Schimpansen frei fortpflanzen; danach wurden verschiedene Reproduktionsstrategien verfolgt.  Zum Beispiel werden vor Ort subkutane Implantate und orale Verhütungsmethoden für Weibchen und Vasektomien für Männchen angewandt. Trotz dieser Verhütungsmethoden konnten sich einige Schimpansen innerhalb der vier Gruppen weiter fortpflanzen. Daher gibt es in allen Gruppen Jungtiere und einen hohen Grad an mütterlichen Verwandtschaftsbeziehungen. Die Schimpansen des Projektgbereiches gehören überwiegend der Subspezies „Schweinfurthii“ an, mit Ausnahme eines Schimpansenmännchens der Spezies „Verus“ in Gruppe 1 und einer erwachsenen Schimpansin in Gruppe 4, welche möglicherweise zu den „Ellioti“ gehört. Das Männchen in Gruppe 1 ist der potentielle Vater mehrerer Nachkommen in derselben Gruppe, welche dementsprechend eine Kreuzung aus Verus und Schweinfurthii Schimpansen sein können.

Abgesehen von einer zweistündigen „Mittagspause“ verbringen die Schimpansen den Großteil der Tages- und Nachtzeit in ihrem Außengehege. Während der Mittagspause werden die Schimpansen für die Fütterung und mögliche medizinische Untersuchungen in den Innenbereich gerufen. Der Speiseplan besteht aus einer Mischung aus frischen Früchten und Gemüsesorten und wird durch Maisbrei ergänzt. Außerdem besteht freier Zugang zu einem Wasserbrunnen.

Die vier Schimpansengruppen in Chimfunshi teilen sich einen gemeinsamen Lebensraum des Miombo Waldes. Sie leben in getrennten Gehegen und interagieren, außer entlang eines kleinen Abschnittes in dem sich Gruppe 3 und 4 in Sicht- und Hörweite der jeweils anderen Gruppe befinden, nicht miteinander. Die Gruppe setzt sich aus einer Mischung von in Gefangenschaft geborenen und wild geborenen Schimpansen verschiedener Populationen zusammen. Ihre Gene variieren demnach nicht systematisch voneinander. Dies ermöglicht es Forscher*innen, unabhängig von umweltbedingten und genetischen Effekten, Verhaltensweisen zu beobachten, zu identifizieren und zu untersuchen.