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Virtual Reality

Der Einsatz von Virtual Reality in Studien zum Verhalten von Tieren ist ein spannendes neues Forschungsgebiet. In den letzten zwei Jahren haben zahlreiche Schimpansen und Orang-Utans im Leipziger Zoo an Studien zur Nahrungssuche in virtuellen Umgebungen teilgenommen. Die Affen konnten dabei auf Touchscreens einen Avatar in Egoperspektive durch verschiedene Cartoon-artige, dreidimensionale Umgebungen navigieren. Berührt der Affe eine bestimmte Stelle auf dem Bildschirm, läuft oder orientiert sich der Avatar in Richtung der entsprechenden Position. Die virtuelle Welt enthält Hügel und Täler, Bäume, Blumen, Sträucher, Steine, Felsen und Gewässer. Was für die Affen sicher am interessantesten ist, ist, dass diese Landschaft auch virtuelles Futter enthält, unter anderem Äpfel, Trauben, Bananen und Erdnüsse. Wenn ein Affe den Avatar zu einer solchen Frucht hinlenkt, erklingt ein Ton und der Affe erhält im Gegenzug ein echtes Stück des entsprechenden Futters.

Virtuelle Umgebungen bieten eine kognitiv anregende Herausforderung für Affen. Die gewonnenen Daten eröffnen uns neue Erkenntnisse darüber, wie sie Entscheidungen bei der Raumnavigation treffen, worauf sie dabei Aufmerksamkeit lenken und ob sie kognitive Karten von bekannten Umgebungen konstruieren (z.B. um Abkürzungen oder Umwege zu nehmen). Auch viele andere kognitive Fähigkeiten können dank virtueller Umgebungen in besonders naturalistischen und anregenden Settings untersucht werden, vom kreativen Problemlösen über episodisches Gedächtnis bis hin zu sozialer Koordination. Das Sammeln entsprechender präziser Daten ermöglicht es uns außerdem, der Frage nachzugehen, ob es manche Spezies besser gelingt , in solchen Umgebungen nach Futter zu suchen, in denen dieses nur an ganz bestimmten Orten gehäuft auftritt oder nur zu bestimmten Zeiten? Wie verläuft das Wechselspiel in der kognitiven Entwicklung zwischen räumlicher Kognition und anderen Denkprozessen wie episodischem Gedächtnis, exekutiven Funktionen und schlussfolgerndem Denken? Indem wir dokumentieren, wie sich die Affen durch den virtuellen Raum bewegen, können wir diese Fragen auf neue Art erforschen und zusätzlich mit dem Verhalten in freier Natur lebender Primaten vergleichen.