31.10.2020 - 00:37
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Forschung

Forschungsthemen im Überblick

Sprach- und Kulturevolution (Gray)
Vergleichende Kulturpsychologie (Haun)
Humanevolution (Hublin)
Archäogenetik (Krause)
Verhaltensökologie (McElreath)
Evolutionäre Genetik (Pääbo)

Ausführliche Beschreibung des Instituts

Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA) erforscht die Geschichte der Menschheit mittels vergleichender Analysen von Genen, Kulturen, kognitiven Fähigkeiten, Sprachen und sozialen Systemen vergangener und gegenwärtiger menschlicher Populationen sowie Gruppen dem Menschen nahe verwandter Primaten. Die Zusammenführung dieser Forschungsgebiete führt zu neuen Einsichten in die Geschichte, die Vielfalt und die Fähigkeiten der menschlichen Spezies. Das Institut vereint Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen, die sich von einem interdisziplinären Ansatz her mit der Evolution des Menschen beschäftigen.


Unter der Leitung von Russell Gray verfolgt die Abteilung für Sprach- und Kulturevolution das Ziel, grundlegende Fragen der menschlichen Geschichte zu beantworten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Beschreibung und Erklärung der wichtigsten Strukturen sprachlicher und kultureller Vielfalt weltweit. Die Abteilung entwickelt neuartige Methoden der Sprachdokumentation, globale Sprach-und Kulturdatenbanken sowie Analyseverfahren, die evolutionäre Theorien und neue computerbasierte Methoden nutzen. Dieser durch und durch interdisziplinäre Ansatz ermöglicht, die quantitative Strenge der Naturwissenschaften mit den Erkenntnissen zusammenzuführen, die nur durch den engen Kontakt mit den primären sprachlichen und kulturellen Daten gewonnen werden können.


Die Abteilung für Vergleichende Kulturpsychologie kombiniert unter der Leitung von Daniel Haun Ansätze der Entwicklungs-, Kulturübergreifenden und Vergleichenden Psychologie, um die einzigartige menschliche kulturelle Vielfalt und die universellen kognitiven Mechanismen, die sie ermöglichen und einschränken, zu untersuchen.


Die Abteilung für Humanevolution untersucht unter der Leitung von Jean-Jacques Hublin in erster Linie fossile Hominine und hat zum Ziel, deren Biologie, Verhalten und kulturelle Evolution nachzuvollziehen. Die Abteilung arbeitet interdisziplinär: Paläoanthropologen erforschen fossiles Material mit besonderem Schwerpunkt auf modernen Bild gebenden Verfahren, 3D Morphometrie und Mikrostrukturanalysen zur Durchführung von phylogenetischen Rekonstruktionen und zur Erstellung von Wachstumsanalysen. Archäometer führen biochemische Analysen von Fossilien durch um Nahrungsanpassungen, Migration und jahreszeitlich bedingte Verhaltensänderungen sowie das Alter von Ausgrabungstätten und Fossilien zu bestimmen. Paläolithische Archäologen erforschen die Anpassungsstrategien von Homininen an ihre Umwelt.


Unter der Leitung von Johannes Krause nutzt die Abteilung für Archäogenetik aktuelle Entwicklungen im biomolekularen Bereich, wie etwa zu stabilen Isotopen oder genomweiter DNA-Sequenzierung, um ein völlig neues Spektrum an Informationen aus Quellen wie anthropologischen und archäologischen Sammlungen zu erschließen. Auf der Basis von winzigen Proben ist es nun möglich, detaillierte Informationen über genetische Beziehungen, geographische Ursprünge, Selektionsprozesse oder genetische Strukturen von historischen und prähistorischen humanen, pflanzlichen, tierischen oder gar pathogenen Organismen zu gewinnen.


Unter der Leitung von Richard McElreath erforscht die Abteilung für Verhalten, Ökologie und Kultur des Menschen, welche Rolle die Kultur bei der Evolution und Anpassung des Menschen an seine Lebensräume gespielt hat. Komplexe soziale Lernprozesse waren die Voraussetzung sowohl für die besondere Anpassungsfähigkeit des Menschen als auch für die außergewöhnliche Größenordnung und Vielfalt menschlicher Gesellschaftsformen. Der methodologische Schwerpunkt der Abteilung liegt auf der Verknüpfung von ethnographischer Feldforschung mit mathematischen Modellen und neuesten quantitativen Verfahren.


Die Evolution des menschlichen Genoms und die genetische Geschichte von Menschen, Menschenaffen und anderen Organismen untersucht die Abteilung für evolutionäre Genetik unter der Leitung von Svante Pääbo. Sowohl die Kräfte, die das Genom direkt beeinflussen - Mutation, Rekombination und genetische Drift, als auch die Auswirkungen von Selektion und Populationsgeschichte sind Gegenstand der Forschung.