18.12.2018 - 14:10
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Aktuelle Pressemitteilungen

Ansprechpartnerin: Sandra Jacob (E-Mail: info@[>>> Please remove the brackets! <<<]eva.mpg.de, Tel.: 0341-3550 122)


13. Dezember 2018: Neandertaler-Gene beeinflussen Gehirnentwicklung heute lebender Menschen
© CC BY-NC-ND 4.0 (Bild: Philipp Gunz)

DNA-Fragmente vom Neandertaler im Erbgut des Homo sapiens geben Aufschluss über die Evolution des Gehirns

Ein typisches Merkmal des modernen Menschen ist die ungewöhnlich runde Kopfform, die uns von länglichen Schädeln anderer Menschenarten unterscheidet. Ein Forscherteam am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen, Niederlande, und am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat Daten von fossilen Schädeln, Gehirnscans und genetische Daten miteinander kombiniert und dabei Gene entdeckt, die Einfluss auf die runde Schädelform heutiger Menschen haben.

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Originalveröffentlichung

08. November 2018: Den Haken neu erfinden
© Graham L Banes

Orang-Utans angeln mit selbstgebogenem Werkzeug nach Nahrung

Aus einem Stück Draht einen Haken zu biegen, um nach einem Körbchen mit Futter zu angeln, ist für Kinder unter acht Jahren schwierig. Kognitionsbiolog*innen und Vergleichende Psycholog*innen der Universität Wien, der Universität St. Andrews und der Veterinärmedizinischen Universität Wien um Isabelle Laumer und Alice Auersperg haben die Fähigkeit Hakenwerkzeuge zu erfinden, nun erstmals an Menschenaffen – den Orang-Utans – untersucht. Zur Überraschung der Forscher*innen stellten die Affen beim ersten Versuch spontan Hakenwerkzeuge aus einem geraden Stück Draht her und bogen einen gekrümmten Draht in einer zweiten Aufgabe zu einem geraden Stoßwerkzeug. Die Studie wurde in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Zoo Leipzig durchgeführt.

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Originalveröffentlichung

05. November 2018: Orang-Utans: Besseres Monitoring gefordert
Foto: HUTAN-KOCP

Wissenschaftler*innen widersprechen: Orang-Utan-Populationen haben nicht zugenommen

Die Orang-Utan-Populationen nehmen nach wie vor rapide ab, auch wenn die indonesische Regierung behauptet, die Lage für die Menschenaffen habe sich verbessert. In der Fachzeitschrift Current Biology kritisiert ein Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, darunter Maria Voigt vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, dass ungeeignete Methoden verwendet worden seien, um die Orang-Utan-Populationen zu erfassen. Die Forschenden fordern die konsequente Anwendung wissenschaftlich fundierter Methoden für ein zuverlässiges Monitoring der Menschenaffen.

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Originalveröffentlichung

24. Oktober 2018: Schimpansen erkennen Artgenossen am Geruch
© Stefanie Henkel

Die Menschenaffen können Gruppenmitglieder und Verwandte riechen

Primaten, uns Menschen eingeschlossen, verlassen sich normalerweise auf ihre Augen, weil sie über einen vergleichsweise schlechten Geruchssinn verfügen. Freilebende Schimpansen riechen auf ihren territorialen Streifzügen jedoch auch am Boden und an der Vegetation. Trotzdem ist der Geruchssinn bei Menschenaffen bisher kaum erforscht. Ein internationales Forschungsteam der Universität Leipzig, des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Durham University in Großbritannien haben nun in Verhaltensstudien im Zoo Leipzig herausgefunden, dass Schimpansen hauptsächlich ihren Geruchssinn nutzen, um neue Dinge zu erkunden. Auch Gruppenmitglieder und Verwandte erkennen sie am Geruch.

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Originalveröffentlichung

22. Oktober 2018: Bonobos: Menschenaffen mit hohen Tönen
© Cédric Girard-Buttoz, LuiKotale, D.R. Kongo

Bonobos machen sich kleiner, als sie tatsächlich sind

Wie groß ein Tier oder eine Person ist, kann man in der Regel nicht nur sehen, sondern auch hören, denn mit steigender Körpergröße nimmt die Tonhöhe ab. Obwohl Bonobos und Schimpansen ähnlich groß sind, klingen Bonobo-Rufe eine ganze Oktave höher als Schimpansen-Rufe. Forschende des Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erklären diese Diskrepanz damit, dass die Stimmlippen von Bonobos nur halb so lang sind wie die von gleich alten Schimpansen. Ob auch andere Faktoren dazu beigetragen haben, ist Gegenstand weiterer Forschungen.

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18. Oktober 2018: Ältere Affenkinder ähneln ihren Eltern
© Klaus Leipholz / Anja Widdig

Die Ähnlichkeit der Gesichter von Rhesusaffenkindern mit denen ihrer Eltern nimmt mit steigendem Alter zu

Wir wir Menschen, so identifizieren auch Tiere nahe Verwandte unter anderem anhand ihres Erscheinungsbildes. Doch nur wenig ist darüber bekannt, in welchem Alter die Ähnlichkeit zwischen den Gesichtern von Eltern und ihren Kindern offensichtlich wird. Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und der Universität Leipzig stellten Probanden vor die Aufgabe, digitale Abbilder der Gesichter von Rhesusaffen-Jungtieren dem Gesicht eines Elternteils zuzuordnen. Obwohl es diesen gelang, die Gesichter sehr junger Rhesusaffen individuell voneinander zu unterscheiden, konnten sie sie erst in einem Alter kurz vor Eintritt in die Pubertät korrekt einem Elternteil zuordnen.

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10. Oktober 2018: Schimpansen teilen Nahrung mit ihren Freunden
© Liran Samuni, Taï Chimpanzee Project

Freilebende Schimpansen sind wählerisch, wenn sie mit Artgenossen ihr Futter teilen: Freunde und Tiere, die bei der Nahrungsbeschaffung geholfen haben, erhalten häufig mehr

Warum sollte man sein Essen mit Personen teilen, die nicht zur eigenen Familie gehören, und einem keinen direkten Vorteil verschaffen? Ein internationales Forscherteam am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig beobachtete im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste freilebende Schimpansen beim Teilen ihrer Nahrung. Dabei fanden die Forschenden heraus, dass Schimpansen besonders beliebte Nahrungsmittel wie Fleisch, Honig oder große Früchte vor allem mit ihren Freunden teilen, und dass weder der Rang eines Tiers noch Bettelei ihres Gegenübers ihre Entscheidung beeinflussen.

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27. September 2018: Nachwachsende Gliedmaßen von Salamandern: Verbindung zu Säugetieren
© T. Kulcsar

Neue Ergebnisse sind für das Verständnis der Regeneration bei Säugetieren von großer Bedeutung

Unter allen vierbeinigen Tieren ist die Fähigkeit von Salamandern einzigartig, verloren gegangene Gliedmaßen sogar im Erwachsenenalter zu ersetzen. Das hat einige Salamander-Arten, wie zum Beispiel den mexikanischen Axolotl (Ambystoma mexicanum), zu beliebten Modellorganismen für die Erforschung regenerativer Fähigkeiten gemacht. Wenn ein Axolotl Gliedmaßen verliert, kommt es zur Anhäufung von Zellen in der Nähe des Stumpfes. Es bildet sich ein Gewebe, ein so genanntes Blastem. Dieses Blastem kann ein voll funktionsfähiges Bein nachwachsen lassen, welches aus vielen verschiedenen Geweben und Zelltypen wie Muskeln, Neuronen oder Bindegewebe besteht. Bis jetzt war unklar, wie ausgereiftes Gewebe Blastem-Zellen produzieren kann. Eine Studie, die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde, untersuchte Bindegewebszellen genauer, um dieses Problem zu beleuchten.

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10. September 2018: Schimpansen arbeiten bei der Jagd zusammen
© Liran Samuni, Tai Chimpanzee Project

Die aktive Teilnahme an der Gruppenjagd sichert frei lebenden Schimpansen den Zugang zu Fleisch

Die Vorteile aus kooperativer Jagd und dem Teilen von Fleisch gelten als grundlegende Triebfedern für die Evolution des Menschen und der für ihn typischen Merkmale, wie sein großes Gehirn und seine Langlebigkeit. Doch auch andere Tiere jagen im Gruppenverband. Inwieweit diese Jagden kooperativ sind und die Beteiligung daran für die Jäger nützlich ist, wurde bislang nicht erforscht. Frei lebende Schimpansen jagen im Taï Nationalpark an der Elfenbeinküste gemeinsam andere Affen, zum Beispiel Stummelaffen. Ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig beobachtete Schimpansen bei der gemeinsamen Jagd und beim Teilen von Fleisch und konnte nun nachweisen, dass das Jagdverhalten der Tiere ein kooperativer Akt ist und den Teilnehmern der Jagd einen fairen Anteil an der Beute einbringt.

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29. August 2018: Die Zahnwurzeln unserer Vorfahren
© Kornelius Kupczik, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Die Form der Zahnwurzeln erlaubt Rückschlüsse darauf, wie Australopithecus africanus und Paranthropus robustus ihre Nahrung zerkaut haben

Seit der Entdeckung der fossilen Überreste von Australopithecus africanus in Taung vor knapp einem Jahrhundert sowie darauffolgender Funde von Paranthropus robustus diskutiert die Wissenschaft darüber, wovon sich diese beiden Homininenarten aus Südafrika ernährt haben. Ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der Universität Chile und der Universität Oxford in Großbritannien hat nun die Ausrichtung der Zahnwurzeln dieser fossilen Arten genau untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass Paranthropus robustus seine Nahrung auf völlig andere Art und Weise zerkaut haben muss als andere Homininen. Dies erklärt wahrscheinlich eine Reihe von schädelanatomischen Merkmalen, die nur Paranthropus robustus aufwies.

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22. August 2018: Mutter Neandertalerin, Vater Denisovaner!
© T. Higham, University of Oxford

Neu sequenziertes Genom beleuchtet die Interaktionen zwischen frühen Homininen

Bis vor etwa 40.000 Jahren lebten wenigstens zwei Homininen-Gruppen in Eurasien – Neandertaler im Westen und Denisovaner im Osten. Forschende am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig sequenzierten nun das Genom eines Individuums aus Sibirien und entdeckten, dass die Mutter dieser vorgeschichtlichen Frau eine Neandertalerin und ihr Vater ein Denisovaner gewesen ist.

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10. August 2018: Harte Zeiten für Schimpansen in der Savanne
© Adam van Casteren

Die Nahrung von in der Savanne lebenden Schimpansen ist zäher als bisher gedacht und könnte Rückschlüsse auf die Evolution des Kauapparats fossiler Menschen zulassen

Üblicherweise ernähren sich Schimpansen von reifen, leicht zu zerkauenden Früchten. Savannen-Schimpansen reichern ihren Speiseplan zusätzlich mit viel schwerer zu verarbeitenden Pflanzenteilen an. Forschende am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben nun die Materialeigenschaften und Isotopensignaturen typischer Nahrungspflanzen aus Regenwald und Savanne untersucht und festgestellt, dass der Selektionsdruck auf den Kauapparat bei Savannen-Schimpansen aufgrund der zäheren Kost deutlich größer zu sein scheint als bei Regenwald-Schimpansen. Da der Lebensraum unserer menschlichen Vorfahren dem heute lebender Savannen-Schimpansen ähnelte, war möglicherweise auch das Gebiss früher Homininen in Afrika vergleichbaren Selektionsdrücken ausgesetzt, so die Autoren.

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19. Juli 2018: Affen profitieren davon, dass Schimpansen und Schweine harte Nüsse knacken können
© Taï Chimpanzee Project, Alexander Mielke

Rußmangaben erhalten freien Zugang zu frischen tropischen Nüssen, indem sie vom Werkzeuggebrauch der Schimpansen und den starken Kiefern von Schweinen profitieren

Ein internationales Forscherteam um Karline Janmaat von der Universität Amsterdam und dem Max-Planck Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig beschreibt erstmals, dass sich Mangabenaffen, Perlhühner und Eichhörnchen energiereiche Nussreste sichern, die Schimpansen und Flussschweine nach dem Nussknacken zurücklassen. Das belegen die Forschenden mithilfe von Daten aus Kamerafallen im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste. Die Ergebnisse dokumentieren neue bisher unbekannte Interaktionen zwischen verschiedenen Arten und erweitern das vorhandene Wissen über das komplexe Miteinander von Tieren, die im Umfeld tropischer Nussbäume leben.

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11. Juli 2018: Affen passen Fellpflege an soziales Umfeld an
© MPI f. evolutionäre Anthropologie/ A. Mielke

Freilebenden Schimpansen und Rußmangaben ist wichtig, wer ihnen zuschaut, wenn sie einem anderen Tier den Pelz säubern

Wenn Menschen miteinander kooperieren wollen, berücksichtigen sie ihre Erfahrungen mit den potenziellen Kooperationspartnern und deren Eignung für eine bestimmte Aufgabe. Sie überlegen, ob die in Frage kommenden Partner zuverlässig sind oder ob vielleicht ein besserer Kandidat verfügbar ist. Forschende am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig belegen, dass freilebende Schimpansen und Rußmangaben, zwei Primatenarten, die in komplexen sozialen Gruppen leben, ihre Fellpflegepartner anhand einer Vielzahl von Kriterien auswählen, darunter ihrer sozialen Beziehung zum Partner und dessen Rangs. Insbesondere vermeiden es Tiere beider Arten, das Fell von Artgenossen mit anwesenden Freunden zu pflegen, da diese die Interaktion stören könnten.

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11. Juli 2018: Unsere weitverzweigten afrikanischen Wurzeln
© Yasmine Gateau/Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte

Vielfältig in Gestalt und Kultur lebten unsere afrikanischen Vorfahren über den gesamten afrikanischen Kontinent verstreut

Der moderne Mensch stammt nicht von einer einzigen Gründerpopulation in einer Region Afrikas ab, sondern seine Vorfahren lebten über den gesamten Kontinent verstreut. Die verschiedenen Jäger- und Sammlergruppen waren weitgehend voneinander isoliert. Getrennt durch Wüsten und dichte Wälder lebten sie in unterschiedlichen Lebensräumen. Jahrtausende der Trennung führten zu einer erstaunlichen Vielfalt menschlicher Gruppen, deren Vermischung letztlich unsere Spezies prägte. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie unter der Leitung von Eleanor Scerri, Wissenschaftlerin an der British Academy der Universität Oxford und am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. Philipp Gunz vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig war ebenfalls an der Studie beteiligt.

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28. Juni 2018: Alpha-Männchen-Übernahme: Schimpansen verwenden neue Geste
© TCP/Liran Samuni

Die Rufe männlicher Schimpansen sind länger und tiefer, wenn sie einer Geste des Werkzeuggebrauchs, dem "Blattzerreißen", folgen

Um effektiv miteinander zu kommunizieren, kombinieren nicht-menschliche Primaten – ähnlich wie der Mensch – auf unterschiedliche Arten Gestik, Mimik und Lautäußerungen. Schimpansen verfügen über ein gut dokumentiertes Repertoire an Gesten und Lauten, die sie für die Kommunikation in freier Wildbahn verwenden, und die sich von Kultur zu Kultur unterscheiden können. Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie untersuchten eine solche Geste, das “Blattzerreißen”, bei dem Schimpansen trockene Blätter geräuschvoll zerbröseln. Sie beobachteten dieses Verhalten nach fast zwei Jahren Pause erneut, als in einer Schimpansengruppe im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste gerade ein neues Alpha-Männchen die Führung übernahm. Interessanterweise wird das Blattzerreißen nur von erwachsenen Männchen ausgeführt und folgt unmittelbar auf einen lauten Ruf, der sich akustisch von anderen, ähnlichen Rufen unterscheidet.

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Schimpansenmännchen beim Blattzerreißen, lauten Rufen und Trommeln (© TCP/Liran Samuni)

Originalveröffentlichung

21. Juni 2018: Körber-Preis 2018 für Svante Pääbo
© Karsten Möbius

Der Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig wird für seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der Paläogenetik ausgezeichnet, als deren Begründer er gilt

Zu Svante Pääbos bedeutendsten wissenschaftlichen Erfolgen zählt die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms. Seine Arbeiten haben unser Verständnis der Evolutionsgeschichte der modernen Menschen revolutioniert, so das Urteil der Jury. So habe er zum Beispiel nachgewiesen, dass Neandertaler und andere ausgestorbene Hominiden einen wesentlichen Beitrag zur Abstammung der heutigen Menschen geleistet haben.

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20.06.2018: Gezielt zugreifen
© Johanna Eckert

Internationales Forscherteam untersucht intuitive Fähigkeit von Schimpansen

Jahrzehntelang nahmen Wissenschaftler an, dass statistische Fähigkeiten eng an Sprachvermögen und mathematische Erziehung gekoppelt sind. Ein internationales Forscherteam der Universität Göttingen, des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der schottischen University of St. Andrews hat nun aber gezeigt, dass auch Menschenaffen intuitive Statistiker sind: Sie können intuitiv Zusammenhänge zwischen Stichproben erfassen und daraus Wahrscheinlichkeiten ableiten. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Current Biology erschienen.

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Originalveröffentlichung

06.06.2018: Brückenschlag zwischen der Kommunikation von Mensch und Tier
© Claudia Wascher

Forscher entwickeln neuen Ansatz, um menschliche und nichtmenschliche Kommunikation empirisch zu vergleichen und die evolutionären Wurzeln von Sprache besser zu verstehen

Kooperatives Turn-Taking wird von Forschern als einer der ältesten Mechanismen des Sprachsystems verstanden und liegt möglicherweise menschlicher und nichtmenschlicher Primatenkommunikation zugrunde. Ein internationales Forscherteam, darunter Simone Pika vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Ray Wilkinson von der Universität Sheffield, Kobin Kendrick von der Universität York in Großbritannien und Sonja Vernes vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in den Niederlanden, gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand und stellt einen neuen vergleichenden Forschungsansatz vor, mit dem die Forscher die evolutionären Wurzeln von Sprache entschlüsseln wollen.

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Originalveröffentlichung

31.05.2018: Zahl freilebender Berggorillas steigt auf mehr als 1.000
© Martha Robbins, MPI-EVA

Der Bestand der im Virunga-Vulkan-Gebiet lebenden Tiere hat sich in den letzten drei Jahrzehnten mehr als verdoppelt

Die jüngste Zählung der vom Aussterben bedrohten Berggorillas, Gorilla beringei beringei, im Gebiet um die Virunga-Vulkane ergab eine Zahl von mindestens 604 Individuen. Zusammen mit den 400 Tieren der einzigen anderen Population, die im Bwindi Impenetrable National Park in Uganda beheimatet ist, steigt damit die Gesamtzahl weltweit freilebender Berggorillas auf mehr als 1.000 Tiere. Der Zensus war ein Gemeinschaftsprojekt der Naturschutzbehörden dreier afrikanischer Länder, in denen Berggorillas leben, mehrerer nichtstaatlicher Naturschutzorganisationen sowie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

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23. Mai 2018: Schimpansenrufe unterscheiden sich in Abhängigkeit vom Kontext
© Liran Samuni

Die Notwendigkeit miteinander zu kooperieren könnte zur Differenzierung von Rufen geführt haben

Einer der wichtigsten Punkte, wenn es um die Evolution von Sprache geht, ist aus welchen Gründen sich verschiedene Tierrufe entwickelten, die letztendlich verschiedene Informationen beinhalten. Laute Alarmrufe sind wichtig, um andere bei Gefahr zu warnen. Doch in welchen Situationen verwenden Tiere leise Rufe? Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Catherine Crockford vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat nun Rufe untersucht, die von Schimpansen in weniger dringlichen Situationen ausgestoßen werden. Das Ergebnis: Schimpansen verwenden den leisen "Hu"-Ruf in drei verschiedenen Kontexten – bei leichter Gefahr, beim Fortbewegen und beim Ruhen. Die Notwendigkeit, in einem Lebensraum mit geringer Sichtweite in der Gruppe zusammen zu bleiben, könnte die Entwicklung verschiedener Ruf-Variationen gefördert haben.

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Originalveröffentlichung

15. Mai 2018: Savannen-Schimpansen leiden unter Hitze-Stress
© Erin Wessling

Regulierung der Körpertemperatur zum Schutz vor Überhitzung ist für in der afrikanischen Savanne lebende Schimpansen eine große Belastung

Als der Mensch im Laufe seiner Evolution offenere und heißere Regionen besiedelte, musste er sich an die neuen Umweltbedingungen anpassen und möglicherweise Schutz vor Überhitzung und eine effizientere Nahrungsverwertung entwickeln. Ein internationales Team um Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat in zwei Studien die physiologischen Parameter von Savannen- und Regenwald-Schimpansen untersucht und ihren Wasser- und Energiehaushalt sowie ihre Stressbelastung verglichen. Demnach ist der Stress, die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, für Savannen-Schimpansen eine enorme Belastung.

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Originalveröffentlichung (Journal of Human Evolution)

Originalveröffentlichung (Frontiers in Ecology and Evolution)

25. April 2018: Gorillas und Schimpansen: Mehr als erwartet, dennoch gefährdet
© Emma Stokes/WCS

Laut einer umfangreichen Studie gibt es mehr Gorillas und Schimpansen als bislang angenommen, allerdings leben 80 Prozent von ihnen außerhalb von sicheren Schutzgebieten

Einer Studie zufolge leben in Afrikas Wäldern schätzungsweise noch immer mehr als 360.000 Gorillas und knapp 130.000 Schimpansen – das sind ein Drittel bzw. ein Zehntel mehr als ursprünglich angenommen. Allerdings leben rund 80 Prozent dieser Menschenaffen außerhalb von Schutzgebieten und der Bestand an Gorillas nimmt jährlich um rund 2,7 Prozent ab. Um die Menschenaffen zu retten, müssen die Wilderei, illegale Rodungen und die Zerstörung des Lebensraumes gestoppt werden. Für die neue Studie haben Natur- und Umweltschützer verschiedener Organisationen und Regierungsbehörden Daten über Populationen des Westlichen Flachlandgorillas und des Zentralafrikanischen Schimpansen gesammelt. Es ist die größte jemals durchgeführte Studie über diese Menschenaffen, die ausschließlich im westlichen Zentralafrika leben. Insgesamt nahm die Feldarbeit 167 Personenjahre in Anspruch; die dabei von den Wissenschaftlern zu Fuß zurückgelegten Wege waren länger als die Nord-Süd-Achse Afrikas. Die Studie entstand unter der Leitung der Wildlife Conservation Society (WCS). Zu den Autoren zählt Hjalmar Kühl vom Forschungszentrum iDiv und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

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Originalveröffentlichung

25. April 2018: Rhythmus ist entscheidend für Trommelsprache
© Gaiamedia/ Aexcram

Die im Amazonasgebiet lebenden Boras ahmen den Rhythmus ihrer Sprache mit Trommeln nach, um über große Entfernungen hinweg miteinander zu kommunizieren

Wie kann eine ganze Sprache in Trommelschläge „übersetzt“ werden? Ein internationales Forscherteam, darunter Frank Seifart und Sven Grawunder aus der ehemaligen Abteilung für Linguistik am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Julien Meyer von der Université Grenoble Alpes in Frankreich, hat die Trommelsprache der Boras im nordwestlichen Amazonasgebiet erforscht. Sie haben herausgefunden, dass die Boras nicht nur die Melodie von Wörtern und Sätzen ihrer vom Aussterben bedrohten Sprache mit Trommelschlägen nachahmen, sondern auch ihren Rhythmus. Dies legt nahe, dass Sprachrhythmus bei der Sprachverarbeitung eine wichtigere Rolle spielt als bisher angenommen.

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Originalveröffentlichung

26. März 2018: Multinationales Forscherteam entwickelt neue Qualitätsstandards zur Analyse alter Proteine
© Franziska Irmer

Das neue Forschungsgebiet der Paläoproteomik, das modernste Techniken zur Analyse alter Proteine nutzt, entwickelt sich rasant. Die Definition von Qualitätsstandards und Vorschriften soll nun dazu beitragen, die neue Disziplin auf eine solide Grundlage zu stellen.

Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Institutionen, die an der Spitze des noch jungen Fachbereichs der Paläoproteomik stehen, hat Richtlinien veröffentlicht, um für ihre Disziplin eine solide Grundlage zu schaffen. Von ausgestorbenen Arten über menschliche Ernährung in der Vergangenheit bis hin zur Evolution von Krankheiten – alte Proteine helfen bei der Erforschung dieser und anderer Fragestellungen. Der in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution veröffentlichte Leitfaden zielt darauf ab, gute Praktiken zu unterstützen und die Erzeugung solider, reproduzierbarer Ergebnisse sicherzustellen. Wissenschaftler Frido Welker vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie ist einer der beiden führenden Autoren des Artikels.

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Originalveröffentlichung

23. März 2018: Deutschland war schon vor 450,000 Jahren von Gletschern bedeckt
© MPI f. evolutionäre Anthropologie

Neue Daten zur zeitlichen Abfolge der Eiszeiten im Mittelpleistozän verschieben erste Vereisung und menschliche Besiedlung Mitteldeutschlands um 100.000 Jahre zurück

Mithilfe modernster Datierungstechniken haben Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie neue Daten zum zeitlichen Ablauf der Elster- und Saale-Eiszeit in Mitteldeutschland gewonnen. Die Forscher haben herausgefunden, dass die erste Vereisung im Quartär, die weite Teile Europas mit Eis bedeckte, bereits vor 450.000 Jahren stattgefunden hat und nicht – wie bisher angenommen – vor etwa 350.000 Jahren. Die Forscher zeigen weiterhin, dass die ersten Menschen Mitteldeutschland nach dem Rückzug dieser Gletscher vor etwa 400.000 Jahren besiedelten.

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Originalveröffentlichung

21. März 2018: Neue Einblicke in die späte Geschichte des Neandertalers
© I. Crevecoeur

Erbgutanalysen von fünf späten Neandertalern geben neue Einblicke in dessen Populationsgeschichte

Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben die Genome von fünf Neandertalern sequenziert, die vor 39.000 bis 47.000 Jahren lebten. Den Analysen zufolge sind diese späten Vertreter ihrer Art enger mit den Neandertalern verwandt, die Erbgut zu unseren modernen menschlichen Vorfahren beigetragen haben, als ein älterer Neandertaler aus dem Altai-Gebirge, dessen Genom die Forscher zuvor sequenziert hatten. Die neue Untersuchung liefert auch Hinweise darauf, dass gegen Ende der Neandertaler-Geschichte ein Bevölkerungsaustausch stattgefunden hat.

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Originalveröffentlichung

15. März 2018: Älteste menschliche Genome aus Afrika analysiert
© Abdeljalil Bouzouggar

Forschungsteam findet Verbindungen von steinzeitlichen Bewohnern Marokkos in den Nahen Osten und in Gebiete südlich der Sahara

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung mehrerer Max-Planck-Wissenschaftler hat Genome menschlicher Überreste aus Marokko sequenziert, die rund 15.000 Jahre alt sind. Es handelt sich dabei um die älteste Kern-DNA aus Afrika, die jemals erfolgreich analysiert wurde. Das genetische Erbe der aus der Mittleren Steinzeit Afrikas stammenden Menschen ähnelt teilweise dem der damaligen Bevölkerungsgruppen im Nahen Osten, teilweise gleicht es dem von Menschen, die heute südlich der Sahara leben. Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie waren an der Studie beteiligt.

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Originalveröffentlichung

07. März 2018: Homo naledi besaß widerstandsfähige Backenzähne
© MPI f. evolutionäre Anthropologie

Die Zähne des 300.000 Jahre alten Urmenschen aus Südafrika waren besser vor Abnutzung durch Staub und Sand geschützt als die anderer südafrikanischer Urmenschen

Homo naledi besaß hochkronigere und widerstandsfähigere Backenzähne als andere südafrikanische Urmenschen, was für eine besonders verschleißreiche Nahrung spricht. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Forschern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der University of Durham in Großbritannien und der University of Arkansas in den USA. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Nahrung des Homo naledi viel mehr Staub- und Sandpartikel oder auch mikroskopische Kieselsäurepartikel aus pflanzlichen Quellen enthalten hat als die Nahrung anderer südafrikanischer Urmenschenarten.

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Originalveröffentlichung

22. Februar 2018: Neandertaler dachten wie wir
© P. Saura

Bereits vor mehr als 64.000 Jahren schufen Neandertaler auf der Iberischen Halbinsel Höhlenmalereien

Vor wenigstens 70.000 Jahren hat Homo sapiens durchbohrte Muschelschalen und Farbpigmente benutzt. Vor etwa 40.000 Jahren hat er in Europa mobile Kleinkunst, Schmuck und Höhlenkunst geschaffen. Neandertaler schienen zu solchem Verhalten dagegen nicht in der Lage. Mithilfe der Uran-Thorium Datierung konnte ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Dirk Hoffmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig aber nun nachweisen, dass Neandertaler schon vor über 115.000 Jahren symbolische Objekte hergestellt und mehr als 20.000 Jahre vor der Ankunft moderner Menschen in Europa Höhlenkunst geschaffen haben. Die geistigen Fähigkeiten der Neandertaler müssen unseren eigenen demnach ebenbürtig gewesen sein.

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Originalveröffentlichung (Science)

Originalveröffentlichung (Science Advances)

15. Februar 2018: Dramatischer Rückgang von Orang-Utans auf Borneo
© Serge Wich

Weltweite Nachfrage nach Rohstoffen lässt die Zahl der Menschenaffen in den letzten 16 Jahren um mehr als 100.000 Tiere sinken

Die Artenschutzmaßnahmen der letzten 50 Jahre konnten nicht verhindern, dass die Zahl der Orang-Utans auf Borneo weiterhin dramatisch sinkt. Die neuesten Daten, die von einem Forscherteam aus 38 internationalen Institutionen unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Liverpool John Moores University in Großbritannien veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass sich die Gesamtzahl der Borneo-Orang-Utans zwischen 1999 und 2015 um mehr als 100.000 Tiere verringert hat.

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Video Zusammenfassung

24. Januar 2018: Langsame und späte Evolution des menschlichen Gehirns
© MPI EVA/ S. Neubauer, Ph. Gunz (Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Fossilien von Homo sapiens belegen, dass das menschliche Gehirn erst allmählich seine runde Form angenommen hat

In einer Studie beschreiben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, dass sich die für den modernen Menschen typische runde Gehirnschädelform erst spät während der Evolution unserer Art herausgebildet hat. Die Forscher haben die Größe und Form verschiedener Homo sapiens Fossilien analysiert und so herausgefunden, dass sich die Organisation und möglicherweise auch die Funktion unseres Gehirns nur ganz langsam verändert haben und erst vor relativ kurzer Zeit den heutigen Zustand erreicht haben.

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